25.09.2001 Rico on the Rocks / Bei Riesa

 

So begab es sich aber zu der Zeit, dass der Erzähler dieser Geschichte sich dazu hatte nötigen lassen, in einer rein sächsischen, jedoch in der Reichshauptstadt ansässigen Rhythmusgruppe die Bassgitarre zu maltretieren. Nach 2 Wochen exzessiver Probe wurde dann eröffnet, das der erste Auftritt anstand und wie konnte es anders sein, natürlich im tiefsten Sachsenlande…

 

Um die Spritkosten minimal zu halten wurden noch zwei mir völlig unbekannte Personen im BlackRider (weißer VW-Bus) einquartiert, von denen das Weibchen sich durch sehr gute Ortskenntnis hervortun wollte. Das brachte uns jedoch locker noch mal 1 ½ Stunden Verspätung ein. Zumal man eh schon im Verzug war, da der Hunde-Sitter nach längerer Wartezeit zielstrebig doch nicht erschien. In folge dessen saß der Hund mit im Bus und als es letztlich losging, fing es an zu schütten wie aus kaputten Plastetüten (Ostschreibweise) die mit Pfandgut gefüllt sind. Also beste Vorzeichen…

 

Gegen 8 Uhr und diverse extrem-gedehnte Nerven später, erreichten wir unser Ziel namens Böhlen bei Riesa. Noch nie gehört? Dann hat es das Leben wohl gut mit euch gemeint. Naja, eigentlich war es ganz nett. Beim betreten des Hofes stand ich treffsicher in der einzigen Pfütze, und das wiederholte sich jedes mal beim wählen dieses Weges. Ob es nun gegen mein Erinnerungsvermögen oder  für meinen Alkoholkonsum spricht sei dahingestellt.

 

Ein Bier später mußte die erste Band mit dem Pseudonym „Rico on the Rocks“ auf die Bühne. Für ihren ersten Auftritt meisterten sie die Sache eigentlich ziemlich gut. Später eingeholte Meinung gingen von „einfacher Ostpunk“, über „ das solche Leute, so’ne Mucke spielen hätt ich ja nicht gedacht“ bis hin zu „da wußte keiner was mit anzufangen, also genau richtig“. Nebenbei erwähnt, war das die Band, in der ich dann wohl irgendwie mitgespielt hab. Nach jedem Song gab’s Gegröle und irgendwelche Geräusche die wir jedoch alle als Applaus deuteten. Außerdem hat keiner den Raum, respektive Keller, verlassen.

 

So, nun konnte man sich den restlichen Abend auf das sehr üppig vorhandene Freibier konzentrieren.. Wann gab’s eigentlich das letzte Mal in Berlin `ne richtige Freibierparty? Scheint irgendwie aus der Mode gekommen zu sein. Schade eigentlich. Was folgte war eine Deutsch- bzw- Sächsschpunkbänd mit solidem aber halt normalen Sound. Den Namen hab ich vergessen, aber die Typen kannte man von diversen Festivals. Die ersten fingen an zu pogen, die Grupies standen begierig vor der (Paletten-) Bühne, und meine Freundin hatte ein paar Punkermädels um sich gescharrt und unterhielt sich wahrscheinlich über Liedschatten und  Menstruationsprobleme. (Legt grade Einspruch ein!)

 

Die nächste Band des Abends waren die Primitive Man, wahrscheinlich so eine Art Local Heros, die `nen Mix aus Surf und 60`s gespielt haben. Durch die mittlerweile doch fortgeschrittene Stunde und den parallel dazu verlaufenden Rauschzustand tanzte nun jeder so euphorisch zu der Musik, zu der es auch schon unsere Eltern taten. So auch ich. Das ging schier ewig und ich glaube mich noch an irgend etwas Grindcore mäßiges zu erinnern, was mich langsam ins kunterbunte Dumboland hinüber säuselste. Und das war’s dann auch schon. Die Rückfahrt diente einmal mehr als Reflektions-Forum und so wurde der ganze Abend noch mal besprochen und ausgewertet. Als Resume würde ich Sagen: BITTE SCHICKT MIR KEINE RECHNUNG FÜR DIESEN SCHEISS BLITZER IN GROSSENHAIN, bei dem ich leider 35 km/h zu schnell war.

 

Viva la Sachsenlande