8. bis 9.11. 2002 in Den Haag/Rotterdam Holland!

 

E inige Zeit ist nun schon seit den letzten spektakulären Berichten ins Land gezogen. Wir dachten schon die Muse des heruntergekommenen Schreibens hat uns verlassen! Doch wir haben sie wieder gefunden und werden sie während der nächsten Zeilen ordentlich vergewaltigen!

Treffpunkt war um 8, also sammelten wir uns dann pünktlich 10 Uhr im Zentralprenzlberg (also bei uns!). Der Tank war voll, wir hatten genug Kippen und die Biervorräte waren ausreichend aufgefüllt! Die nächsten 850 km waren unsere! Nichts konnte uns stoppen, na ja bis auf die gesamte Kleinblasen-Clique, die fortan alle halbe Stunde nach sanitärem Luxus schrie! Alster-Boys- you’re all loosers! Unsere Spur war eigentlich ziemlich leicht zu verfolgen, da die Geräuschkulisse von aus dem Auto lustig herauspurzelnden Dosen bei jedem Stop nicht zu überhören war. Gespeist wurde standesgemäß bei McDoof, jedoch nicht ohne unsere politische Korrektnis durch engagiertes Urinieren gegen die Lokalität zu demonstrieren! Irgendwann kamen wir auch in Den Haag an. Das Reiseteam untermalte seinen bereits erreichten Zustand durch lauthalsiges Wiedergeben, der durch unseren mitgebrachten Eingeborenen vermittelten holländischen Sprachkenntnisse! Diese erschöpften sich in Phrasen, wie z.B. „Noeken, opspouken, Oi!“ (Ficken, Abspritzen, Oi!), „Klodsacken“ (Arschlöcher) und irgendwas in die Richtung „mit gebrochenen Fingern kannst du deine Zähne nicht mehr aufsammeln!“ Dieses Vokabular sollte uns noch gar lustige Begebenheiten bescheren! Auch erwähnenswert war, dass auch Freunde sich oftmals mit einem freundlichen „krieg krebs“ begrüßen. Andere Länder, andere Sitten!

 

J edenfalls hatte Joost keine Ahnung wo wir eigentlich hin mussten. Wir irrten völlig verloren durch das nächtliche Einbahnstraßensystem, wobei so manche Strasse nur auf den letzten Drücker als Gracht enttarnt werden konnte! Verzweifelt erspähten wir plötzlich einen riesigen Iro am Horizont, den wir sofort mit unserem Van entführten (Filmreif). Er wusste zwar nicht genau was er von den völlig kaputten vor sich hin plappernden Krauts halten sollte, war aber eigentlich ganz froh nicht im strömenden Regen seinen Hahnekamm (orginalton) riskieren zu müssen! Alsbald erreichten wir also die Blauwe Aanslag. Dort sollte der erste Teil des Randstad Riot Festivals stattfinden.  Als wir den Schuppen betraten, waren wir echt angenehm überrascht! Schweine gemütlich und auch schon gutgehenst gefüllt! Auffallend war nur, daß unsere teilweise mitgebrachten Iros auf einmal ziemlich armselig und verkümmert wirkten! Haben die da nix anderes zu tun in Holland? Iros so ab 50 cm! Aber anstatt uns darüber zu ärgern wurde beschlossen, die inneren Werte zählen. Da wir nun nicht unbedingt aus der Gegend waren, und sich dem Anschein nach dort alle kannten, fielen wir aber auch so ganz prima auf! Man trank und warf mit deutschen, englischen und holländischen Wortfetzen um sich, daß jedem Linguisten das Blut nur so aus den Ohren gespritzt wäre! Die erste Band war Outfreaked und erstmal direkt unwichtig! Danach kamen The Southern Way und dafür das es eine Rockabilly Band war ist der Name schön provokant. Wem es gefällt… Als näxtes kamen KHHK (heißt wohl Arsch-Haar-Iro). Saugeil! Wir dachten der kleine Lars Frederikson steht da auf der Bühne! 18 Jahre und ne Stimme, wie ein 50 jähriger Whiskey-Trinker! Der Pogo hierbei war wohl von einem anderen Kaliber als man sich das hierzulande vorstellen kann. Es wurde auf einander eingeprügelt was das Zeug hielt. Hielt aber nicht, wie mir später klar wurde, als mir ein Punker stolz seinen herunterbaumelnden Daumen präsentierte. Jedoch hielt uns dies nicht ab davon, in unserer grenzenlosen kulturellen Neugier mitten rein zu hopsen! (ne wa Struppi???) Der absolute Bringer dieses Abends waren dann aber Disturbance, die unankekündigt die Bühne enterten! Wir waren uns alle einig, das die guten Casualties nun ernsthafte Konkurrenz haben. Derweil wir drinnen dem Chaos frönten, wurde sich draußen noch mit ein paar Türken geprügelt, mit denen die Jungs da oben wohl auch so das eine oder andere Problem haben! Da durften wir aber nicht mitspielen, war nur für Eingeborene! Macht ja nix, wenn ihr nach Berlin kommt, dürft ihr auch nich… Angenehm war auch das ich nicht der einzige war, dem es nach weit entfernt wohnenden Mädchen gelüstet, da Olli sich gleich was aus Australien anlachen musste, und das is ja nun doch schon `nen Stück weiter als Ösiland, hihi! Dann war alles vorbei und wir ließen uns bei Joosts Mama absetzen, derweil der Rest bei Rob von Disturbance Obdach fand. Verwunderung hinterließ es aber, das Joosts Mama uns völlig breitem Pack sogar noch freundlich um 4 Uhr morgens die Tür öffnete.

 

N ächsten Tag bei Rob angekommen, sah man es allen an, dass ihnen die Hausbar noch tief in den Knochen steckte. Als sich die Leichen wahlweise mit Kaffee wieder ins Scheinleben zurück katapultiert oder mit Appelkorn frisch zugezogen hatten, ging’s los zum Sightseeing durch Rotterdam. Weit kamen wir aber nicht, da es leichter ist einen Sack Flöhe zusammen zu halten als ´ne Horde angesoffener Punx. Im nächstbesten Coffee-Shop sammelte sich aber alles wieder… Die Hälfte durfte aber nicht xxx, weil der Bandführer auf Grund des Suchtverhaltens seiner Mitstreiter, um den Auftritt abends bangte! Uns war das relativ egal, noch. Als ein nicht unerheblicher Teil unserer Sohlen im Hafen, unter den Kubushäusern, bei denen uns allein vom hingucken schon kotzübel wurde, und in der Power-Shopping Meile klebte, führte unser Weg dann endlich in die Baroeg. Erstmal ein Berliner Pilsner aufgerissen und unseren Hooliganismus am Kicker ausgelebt! Gehört ja wohl auch zu Rotterdam. Joost das alte Ghettokind outete sich als Kicker-Kampfschwein und fightete Gott sei Dank auf meiner Seite. Als Duo Infernale hatten da Olli und Ralf nix zu lachen.  Den Anfang der Bands machten RNL. Gut, weiß nich mehr so…

Viel derber kamen da schon BLOCK 1A. Die scheinen da ja fast alle auf dieser Casualties-Schiene zu fahren. Iros bis zur Lichtanlage, schneller, härter, lauter und es war nicht zu glauben, dass diese Combo gerade erst ihren vierten Auftritt absolvierte. Bis jetzt konnten wir uns noch nicht vorstellen, wie Noxon mit ihrem melodiösen Sound zwischen dieses geile Brachialgeschrammel passen sollte, aber nach einigen Songs schienen sich die Hollandpünke damit anfreunden zu können. Schade bloß, das Struppi als Alkoholopfer seines Schlagwerks nicht mehr Herr wurde und daraufhin Martin in Perfektionswahn den Gig abbrach. Jetzt sollte endlich der Höhepunkt des Abends folgen! Die RÄMOUNES aus Dusseldorf. Da mir Jungspund ja nie vergönnt war die Säcke im Original zu sehen, im Gegensatz zu der Rentnertruppe mit der ich unterwegs war, war ich oberglücklich. Alles mitsingen so gut ich konnte, und selbst tanzen war ohne diverse Brüche möglich, da sich jetzt sogar die ansässigen Pünke grölend in den Armen lagen. So ging es mindestens 2 Stunden, Hit an Hit. Der unangefochtene Lieblingssong des international anwesenden Publikums war natürlich gleichzeitig auch Wunsch des Abends: Somebody put something in my drink! Und so ham wir uns auch alle gefühlt!

Der Rest ist Geschichte… Rotterdam wir kommen wieder (aber nicht zu Feyenoord, hihi)

 

Tommy & Olli