Diese jedoch erschöpfte sich in einem Tag Ruhe, dann fielen die ersten von circa 10 Leuten ein, die sich in meiner 1-Zimmer-Residenz über die Tage einquartiert hatten. Dabei handelte es sich um Ösis, die später durch Tschechen und Norddeutsche ergänzt wurden. Das Ganze ergab ein Dialekt-Gewirr, das einem ziemliche Kopfschmerzen verursachen konnte. Jedenfalls wäre man nüchtern gewesen.
L os ging’s Donnerstag! Nach reichlichem Vorglühen, machten wir uns auf den Weg ins Wild At Heart, wo der alljährliche Opener stattfinden sollte. Ich versicherte allen, daß das Konzi umsonst wäre, genau wie letztes Jahr. Wir kamen an und der Eintritt war irgendwas mit 8 Euro! Naja, ich bin trotzdem umsonst rein. Spielen sollten Lousy und Red Alert. Lousy wurden durch Turbolover ersetzt, die auch schon zu Gange waren. Ich finde eine sehr gute Band, um nicht vor der Bühne und auch nicht im Konziraum zu stehen, sondern um sich einen gemütlichen Platz an der Theke zu suchen. Das tat ich dann auch, bis die alten englischen Säcke die Bühne betraten. Und in so’nem kleinen Laden kam das ganze auch echt dufte rüber. Der Rest des Abends/Morgens bestand aus „Ultimativ Abschießen – Teil 1“, was beinhaltet, daß ich weder weiß, was ich noch getan hab, noch wie ich nach Hause gekommen bin.
A ls wir am nächsten Tag frisch dem Koma entschlüpft waren, wurde erstmal das verräterische Zittern mit neuen Alkoholika bekämpft. Die jüngeren unter uns begannen sich zu waschen und Zähne zu putzen, derweil der Rest dem Abend entgegen arbeitete. Nachdem wir uns alle kollektiert (Achtung, neues Wort!!!) hatten, betraten wir um halb acht die unheiligen Hallen, dieses eigentlich absolut beschissenen Teckno-Klubs. Das erste Hoch bescherten diese Hackfressen von zugehackten Glatzen-Einlassern. Aber wahrscheinlich muß eine Security eingesetzt werden, die das Publikum pauschal erstmal überhaupt nicht leiden kann und umgekehrt! Dank widriger Umstände verpassten wir glücklicher Weise die STAMMTISCH PROLLS und starteten mit den LOS FASTIDIOS, die sich wirklich ins Zeug legten. Jedoch haben die Guten extremst an Unterhaltungswert verloren, da sie ihre giftende und geifernde Bassistin anscheinend in den Ruhestand katapultiert haben. Mhhh, sehr schade. Rawside hatte ich schon tausend Mal gesehen und dieser ganze Müll alà Sonderschule oder Emscherkurve geht mir eh am Arsch vorbei. Und ehrlich gesagt finde ich die Leute von Stomper 98 können auch nicht richtig blasen! So verbrachte ich die nächste Zeit damit, sinnvoll Bier in meine ausgesprochen gute Figur zu kippen und eine Millionen Leute voll zuquatschen. Rechtzeitig zu den BONES stand ich aber wieder wie eine Eins vor der Bühne und gab mir diese Band, die mich jedes Mal mehr begeistert. Mucke war geil, Mob am Toben, was soll ich hier noch mehr schreiben. Folgen sollten die Langhaarskins von Last Resort. Natürlich der Hammer. Aber bisschen enttäuscht war ich, als ich recognizierte (wieder neues Wort), daß der gute Roy, seines Zeichens Sänger, seine Mitropa-Aschenbecher-Brille scheinbar gegen Kontaktlinsen eingetauscht hatte. Vielleicht wollte er ja diesmal nicht allein nach Hause gehen. Wer weiß… Nach DISCHARGE, die für viele meiner blaue Flecken verantwortlich sind und abgingen wie Sau, ging’s zur kleinen Bühne. Diesmal nicht, um Suff an der etwas leereren Bar zu ordern, sondern um die TOWERBLOCKS zu zelebrieren. Anton, der alte Drummer, war erstaunlich gut drauf, dafür, dass er aus der Band gekickt wurde und Schneider hängt wohl die Gitarre auch an den Nagel. So ist es ungewiß, ob man je wieder in den Genuß kommen wird, diese, doch verdammt geile Band jemals wieder zu sehen. Dem entsprechend wurde gesoffen, gefeiert, getanzt bis plötzlich alles vorbei war. Mmhh, also ab in’ Trinkteufel, in dem wir dann „Ultimativ Abschießen – Teil 2“ praktizierten.
N un war es schon Sonnabend und von überall her strömten verfeierte, total fertige Zombis in mein Domizil. Das allgemeine Gesprächsniveau hatte unter den letzten Tagen schon übel gelitten und es wurde beschlossen, dies zu intensivieren. Wir hatten uns an diesem Tag, wie auch am Tag zuvor, zu einem kleinen Snakebite Umtrunk mit ein paar Münchnern verabredet, die sich für fünf Tage eine Dachgeschoßwohnung im Friedlhain gemietet hatten. Im Gegensatz zum Vortag wollten wir es aber diesmal auch schaffen. Also zogen wir, viel zu spät, mit einer Horde von ungefähr 20 Alkopfern los und erreichten auch unser Ziel. Die alte Frau, die uns unten die Eingangstür öffnete, geriet leicht in Panik, als alle Mann bewaffnet mit mehreren Bierkästen ins Treppenhaus marschierten. Der Verzehr der Flüssigkeiten gestaltete sich natürlich sehr nobel in so einem Ambiente mit Blick über die Stadt! Nach ausreichendem Aufenthalt, assimilierten wir die Bewohner und setzten unseren Weg nun mit einer auf ungefähr 30 Mann (und max. 4 Frauen) angewachsenen Truppe fort. War schon ein sehr cooles Feeling mit so vielen Leuten. Tatsächlich schafften wir es auch noch zu CHAOS UK, die doch so ziemlich alle sehen wollten. Ich persönlich war jedoch enttäuscht, da alles dermaßen runtergeknüppelt wurde, dass ich kaum einen Song erkannt hab. Ich war jedoch froh, die PORTERS verpasst zu haben. Wenn ich Bock auf Irish Folk beeinflusste Mucke hab, zieh ich mir auch was Irisches rein und nicht irgendwelche Typen aus’m Pott! Folgen sollten die CASUALTIES, was sie auch taten. Hammer! Mitschrein, pogen, vorne war die Hölle los! Echt eines meiner Highlights dieses Festivals. Einziges Manko, war die frisuren-technische Nachlässigkeit der Bush-Wähler! Das Singe-Äffchen hätte sich ruhig mal die Haare hochstellen können, oder ´ne Mütze aufsetzten. Der sah extrem Hippie-mäßig aus und für 50 € will man ja schließlich auch was fürs Auge bekommen, zumal bei dem Ruf. Aber egal! Leider spielten FUNERAL DRESS zeitgleich und so haben sie sicher viele verpasst, da es anders auf der Running Order stand. Mir war das aber Latte, da ich sie ja schon zwei Wochen zuvor gefeiert hatte, genauso wie ANTI NOWHERE LEAGUE, die auf Grund eines Unfalls ausfielen. Die alten durchgeknallten Typen von THE CRACK spielten einen Hit nach dem anderen, wie immer. Ich finde die jedes Mal einfach nur genial, obwohl da die Meinungen ja scheinbar auch weit aus einander gehen. Ist mir aber scheißegal. Ist und bleibt eine meiner Lieblingsbands. Naja, das nächste, an was ich mich erinnern kann, waren die ANGELIC UPSTARTS. Da wurden alle Register gezogen und es viel ihnen echt nicht schwer, den ganzen Saal zu begeistern! So bleibt nur noch die Frage offen, ob das nun wirklich der letzte Gig war, oder nur mal wieder "ein" letzter??? Später machten wir uns allesamt auf in die KVU, da dort eine Geburtstagsparty am laufen war. Dort sammelten wir noch ein paar Sachsen auf, und veranstalteten in einer befreundeten Wohnung „Ultimativ Abschießen – Teil 3“, und Schlaf gab’s wieder nicht!
A m Sonntag bahnte ich mir gegen Mittag den Weg im abartig hellen Sonnenschein, durch Massen von Sonntags-Spaziergängern mit Kindern und anderen Zumutungen nach Hause. Da angekommen bekam ich ein Hörspiel geboten, das seines gleichen sucht. Kalle versuchte ungefähr eine Stunde lang, nen Mädel, das ihn noch nie im Leben gesehen oder von ihm gehört hatte, zu überreden, mit ihm zu kopulieren. Um sein Ziel zu erreichen log er, bis sich die Balken bogen. So vertrieb man sich den Tag und um überhaupt noch eine Regung zeigen zu können, schossen wir uns mit Vodka zurück in die Aktivität! So gestärkt schafften wir es dann sogar pünktlich zum Auftritt von DISTURBANCE, die für mich einfach eine der besten Streetpunkbands überhaupt sind. Nach einer halben Stunde Pogen und Mitgrölen, spielten sehr zu unserer Freude CRIMINAL CLASS („Es liegt Blut auf der Strasse“). Kann das sein, dass die immer langsamer werden, oder hat das immer auch was mit dem Zustand zu tun, in dem man sich befindet??? Bis zu den ABRASIVE WHEELS vertrieb ich mir am Tresen die Zeit. Selbst beim dritten Gig den ich sie dies Jahr gesehen hatte, wurde und wurde es nicht langweilig und die Masse ging gut ab. Und endlich war mein Stadium bereit für die absoluten LOKALMATADORE. Keine Ahnung mehr, welche Songs da nun gespielt wurden, aber so wie sich meine Stimme noch 3 Tage später anhörte, hab ich alle mitgesungen. Hammer Party!!! Der Rest hat mich nicht mehr interessiert, schon gar nicht der neue Gitarren-Pop-Sound von COCKNEY REJECTS, die ich mir lieber auf Platte anhöre! Wir ergatterten lieber diverse Freigetränke und Jägermeister am Tresen, bis wir von der Security, über die ich mich hier nicht auslassen werde, obwohl es da mit Sicherheit genug gäbe, rausgeschmissen wurde! Was folgte war das obligatorische „Ultimativ Abschießen – Teil 4“, und damit endet ein Mal mehr ein Wochenende in geistigem Verfall und körperlichen Schmerzen. Jedoch nicht ohne ein verzerrtes Lächeln auf dem Gesicht…
Tommy |