AriSafari übt schreiben! -> Heute: "Wie schreibe ich mehr als 5 Sätze"
-und noch ein Hinweis: es ist nicht notwendig, namentlich erwähnte Personen zu kennen, um die "Handlung" verfolgen zu können. Es ist sogar unwahrscheinlich, daß selbige ausserhalb der Vorstellungskraft (anderes Wort für durch Drogen herbeigeführte Halluzinationen) unseres Autors überhaupt existieren ;)
Aber nun los:
Am 30.9. 2006 war es einmal mehr an der Zeit, den Brandenburger Pöbel mit den umliegenden Landpunks zu vereinen um mit einem gemieteten Reisebus gen Torgau zu starten. Die Welt ist ein Dorf und WIR sind seine Abgesandten!
Man stelle sich nun einen bunten, versoffenen Mob verkommenster Subjekte vor. Reisegruppe asozial. Herrlich.
Bei den Brandenburgern habe ich sowieso jedesmal den Eindruck, die wären mit Hochprozentigem grossgezogen worden.
Als Einstimmung auf die antisoziale Athmosphäre, die mich bei diesem Grossereignis sicherlich umgeben würde, traf ich die Entscheidung, am Treffpunkt nochmal dem unappetitlicheren Ruf der Natur zu folgen. Ratlos stand ich also vor der öffentlichen Bedürfnisanstalt, die den Eindruck erweckte, der örtliche Strichertreff zu sein. Schon von aussen strahlte das schmierig-metallene, stinkende Häuschen einen ähnlichen Charme aus, wie meine Reisebegleiter, die sich derweil mit trinken und abgammeln die Wartezeit auf den Bus vertrieben. Mir fehlte das passende Kleingeld zum Öffnen der Kackkoje, also laberte ich einen just in diesem Augenblicke erschienenen Typen an, ob er wechseln könne.
Der Herr war eindeutig Urbrandenburger. Abgerissen, kaputt, ungepflegt und mager. Er sah aus wie ein Vogelkind, dass den Sommer nicht mehr sehen würde.
Eigentlich -rein vom Optischen her - hätte er mitfahren können.
Auf meine Bitte nach Wechselgeld reagierte er ..naja ..verständnislos ist gar kein Ausdruck mehr. Er glotzte mich an, wie ein Kreuzberger, dem ich "Fick deinen Gott!" zugerufen hätte.
Dann packte er die Tür und riss daran. Mit einem Krachen sprang sie auf und ich wusste: SO würde es weitergehen.
In Sachen ranzige Toiletten hab ich ja eine gewisse Erfahrung und ein dreckiges Klo betrachte ich mittlerweile als Herausforderung, aber diese Toilette war wirklich hart am Rande der Verleugnung menschlicher Bedürfnisse. Sozusagen Hygieneblasphemie! Ich überlegte angesichts dessen, was ich sah, ob ich überhaupt noch auf europäischem Boden stand.
Trotzdem legte ich das Ding mit Papier aus und versuchte mein Glück, bis plötzlich wieder die Tür aufsprang und ein fast genauso hässlicher Typ wie der vorherige auf sein recht auf Erleichterung pochte.
Ich gab auf.
Der Bus kam auch. Unser Chauffeur hiess Andy und war angesichts der tätowierten, bunthaarigen Meute mit den Gewaltfressen und dem seltsamen Körpergeruch wenig erfreut, die nächsten 6 Stunden mit uns zu verbringen.
Keck und Johnson verteilten das versprochene Hartz 4 -vier Gänge Menü an die Insassen, während der Bus abrollte.
Eine wertvolle Schmuckbrosche sollte für jeden enthalten sein.
Das Menü bestand aus:
1 Löffelbisquite
1 ca. 4 cm langen Minisalami
1 Erdnuss (Doppelkammer !!!!)
UND der Brosche, die sich als Button erwies. Darauf stand "Blut Schmach Tour 30.9.2006"
Erklärung:
Natürlich gab es einen besonderen Grund für diese Reise und zwar nicht denjenigen, dass an diesem Tage der Erzähler dieser Geschichte versuchte zu verdrängen, dass ihm nur noch 1 Jahr bis zur magischen Grenze blieb, sondern, dass in Torgau die Record Relase Party der "Viererbande" - LP war. BLUTIGER OSTEN und SCHMACHWANDERUNK waren neben den sächsischen ETEPETETE und OIMELZ LEIPZIG auch auf dieser Platte vertreten und würden demzufolge in Torgau die Kuh fliegen lassen.
DJ Schimpagner machte vorne übers Busmikro noch ne Verkaufsveranstaltung unter dem Motto "Zeuch für Viecher", davon hab ich aber leider nichts behalten, tut mir leid. Aber ich erinnere mich dunkel, irgendwas ersteigert zu haben, für eine phantastische Summe, die ich mir selber ausgedacht hatte. Kleinlaut fügte ich noch "Zlotty" hinzu, was mich vor Gericht evtl. retten würde, denn ich glaube, ich hatte alle Zahlen gerufen, die ich kannte. Ausserdem hatte ich eine hübsche Zeugin, die direkt neben mir saß. Mit der netten Dame beschäftigte ich mich dann auch die weitere Fahrt über. Wir unterhielten uns großartig über die physikalischen Probleme bei der Durchführung der amerikanischen Raumfahrt, über das alberne Aussehen von Hummeln, warum Gott mich noch nicht seelig gesprochen hat und das es eindeutig irgendwie etwas Heiliges hätte, wenn man eine Cartoonfigur äße.
Die Fahrt an sich?
Wie die Fahrt war? Nun ja. Nichts besonderes, ausser erstaunlicher Turnleistung von Ron, der mit dem Rücken zur Treppe stand und auf einmal weg war, nur um eine halbe Sekunde später wieder aufzutauchen. Ähnliche alkoholbedingte Aktionen und die Tatsache, dass Bonat wieder ein LUSTIGES Tape mitgebracht hatte, welches wir auf der Fahrt insgesamt ca. 4 bis 5 mal durchhörten, hoben die Stimmung. Wie auch beim letzten Mal leierte das Teil so derbe, dass es sich stellenweise anhörte wie Metropol FM. Zum Schluss konnten glaub ich ALLE "Malle Mallorca" von Eisenpimmel mitgröhlen.
Die üblichen Zwischenstops wurden zum Pinkeln, rauchen, kiffen und Bürgererschrecken genutzt.
Und natürlich dazu, aussagekräftige Fotos zu machen.
Ich erinnere mich an einen gewissen Hopsing, der GENAU an das Schild "Rastplatz bitte Sauberhalten" strullerte :-)
Trini war die Fahrt über wieder mit Flaschensammeln beschäftigt und der Fahrer hatte ein Problem weniger und Trini einen grossen Müllsack Pfandgeld mehr.
Kommen wir nun zum Konzert an sich.
Schmachwanderunk sollten als letzte spielen. Nichtsdestotrotz erklomm Trini nach der ersten Band die Bühne und schrie schwankend nach Schmachwanderunk. Lallend, dick und nass. Es war ein Anblick, der mich zugegebnermaßen verstörte. Zwischendurch stimmte er immer wieder "Malle Mallorca" an. Ein zackig gerufenes "Ausziehn!" von mir sollte den Torgauern den Rest geben, denn natürlich liess Trini sich nicht bitten. Kurz darauf stand er nackt da, wie Gott ihn geschaffen hat. Obwohl....ob DAS wirklich Gott gewesen war.....
Na jedenfalls drehte sich das dicke Vergnügen auch noch um und präsentierte dem Publikum den nackten Arsch und als Zugabe kam noch Bücken und Arschbacken aufreissen. Damit wurden mir sämtliche Avancen, irgendwann doch mal schwul zu werden genommen. Danke Trinichen :-)
Blutiger Osten liessen ein Gewitter aufziehen, die Leute "tanzten", es war heiss und klebrig-nass im Raum und alle gingen ab. WENN es einen guten Zeitpunkt gibt, ne Revolution zu starten, dann während eines Blutiger Osten Gigs. Geifernd und schäumend brandete Hasswelle um Hasswelle von der Bühne und ich war froh, dass ich Tante Bonat und Johnson nie geärgert habe. Die alten Männer sangen sich in Rage und ich bekam einen Steifen, den ich einem vor mir stehenden Skinhead in den Rücken bohrte. Bei MEINEM Song "Dieb von Bagdad" musste ich mir die Tränchen verdrücken. WAS ein feines Lied.
Bei "Bullentussy" schrien Keck und ich laut "SEXISTEN!", obwohl wir gar nicht wissen, was das Wort bedeutet....Gibt es sowas eigentlich? "Das sagen ja die Richtigen!" meinte Johnson nur (man schaue auf die Startseite von Schmachwanderunk).
Bonat machte dann ne Ansage, dass der nächste Titel unter Umständen einigen Leuten als zu Un - PC erscheinen möge. Die könnten ja dann den Raum verlassen.
Es war dieser PLO-Song von Daily Terror und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Stimmung SEHR geladen war. Es verliessen tatsächlich einige wenige den Raum.
Sei´s drum.
Ab und an musste ich auch mal raus, denn langsam fühlte ich mich so alt, wie Boni und Johnson zusammen sind. Die Luft dadrin konnte man langsam auch kauen. Ausserdem forderte das Rauchwerk, welches ich mitführte seinen Tribut.
Auf besonderen Wunsch von Geralf wurde als Zugabe nochmal "Dieb von Bagdad" gespielt und das war´s dann mit dem Versprühen von Hass. Ob Brandenburger wissen, was Liebe ist? Man könnte annehmen nein, zumindest wenn man diese Brandenburger als Vorbild nimmt. Wenn ich sie das nächtse Mal sehe, werde ich Zuneigung verteilen.
Draussen angekommen überlegte ich schon ernsthaft, mich zu den anderen Asis zu legen und ne Runde zu knacken, ich hab dann aber lieber Trinis Schlaf bewacht. Ausserdem musste ich mich noch als Spiesser beschimpfen lassen, weil ich keinen Bock auf Döner hatte. Mit diesem Multikultikompott kannste mich in letzter Zeit jagen. Der Schimpferich war übrigens ein skinheadartiger, heimlich schwuler Traktorist.
Schmachwanderunk waren dann irgendwann ENDLICH an der Reihe und ich konnte tatsächlich noch n paar Reserven mobilisieren.
Die Kostüme waren wieder göttlich und natürlich selfmade. Ganz unter dem Motto des Openers "Dorfattack" kam Keck in Jogginghose und Gummistiefeln auf die Bühne. Die andern waren auch fein verkleidet in Dorfzivil, aber ich hab´s leider nicht behalten.
Was folgte, war ein Oi!-kabarett vom Feinsten.
Uffta, uffta - dängeläng.
"Schweine schlachten! Kühe melken! Baumhaus baun! Fresse haun!
Oi! Oi! Oi! DORFATTACK - Punks und Skins latschen durch den Dreck!
Schwere Boots, voll mit Mist.
Weil links und rechts nur Acker ist!
Immer cool und ziemlich locker - Hurra ich bin ein
Dorfpunkrocker!
Muh!
Mäh!
Kickericki!
Muh!
Mäh!
Kickericki!"
DJ Schimpagner sabberte ins Publikum und es war ein Heidenspass zuzusehen, wie die Landjungens auf und vor der Bühne sich zum Affen machten.
Der gute Acker hatte sich derweil den Fuß verletzt und humpelte unbeholfen und klopsig vor der Bühne herum. Rücksicht wurde allerdings nicht genommen. Im Gegenteil! Keck das Arschloch forderte von der Bühne sogar noch dazu auf, dass Acker jetzt für uns tanzen würde. Dem blieb auch nichts anderes übrig, denn schon wurde er herumgeschubst, dass es nur so eine Art hatte! Er machte gute Miene zum bösen Spiel.
Später rief mich Keck auf die Bühne, gratulierte mir zum Geburtstag und überreichte mir die neue Viererbande- LP, auf der ich nicht gegrüsst werde (zwinker, zwinker Keck).
Ich musste mich extra dolle freuen, wir drückten uns und ich ging wieder von der Bühne. 2 Mminuten Ruhm. Als ich mich zurück zu der schwitzenden, müffelnden Masse stellte hatte ich immerhin die Gewissheit, was Besseres zu sein.
Die Platte gab ich am Tresen ab, der nette Punka hat sie aber anscheinend an ne Heizung oder so gestellt, denn jetzt läuftse so bucklig wie der Jaucher von Notre Damme.
Die Rückfahrt verlief ruhiger. Logisch bei so nem Alkoholmissbrauch.
Irgendwann sah ich Ringo aufstehn als der Bus für n paar Sekunden an ner Tanke hielt. "Wird wohl mal uffs Klo jehn" dachte ich.
Als der Bus losfuhr sah ich ihn und Piepel allerdings in der Tanke stehen. ich machte die umsitzenden Leute aufmerksam, aber wie das immer so is, wenn alle betäubt sind, dauerte es ein Weilchen, bis das auch zum Fahrer durchdrang. Da waren wir schon etwa 5 min. wieder unterwegs.
Was dann folgte, war ein halbherziger Zwergenaufstand. Alle belatscherten Tante Bonat, dass er doch nochmal mit dem Busfahrer reden solle, zwecks umkehren. Dem platzte irgendwann der Arsch, was ich verstehen konnte. Tja Boni. Einmal Führer immer Führer. ALLE warnse zu faul, selber wat zu machen. Ick ooch. Lustig war noch der Anruf, den Bonat von Piepel bekam. Bonat saß neben mir und verzog angestrengt das Gesicht. Er hatte kein Wort verstanden, weil Piepel so besoffen war. Kein Wort ausser irgendwas, dass er wüsste wo der Fahrer wohnt und ihm seinen Scheissbus anzündet.
Ringo hat übrigens immer so ein Glück. Bei der letzten Asifahrt ist er im Zug von Brandenburg aus eingeschlafen und statt in Berlin, in frankfurt Oder wachgeworden. Er is dann rüber nach Polen gelaufen und hat sich ne Stange Kippen gekauft. Macht halt immer das Beste aus solchen Situationen unser Sonnenscheinchen.
In Brandenburg am Bahnhof hatten wir etwas Pech. Jeder von uns wird wissen, wie man sich fühlt, wenn man eine ausschweifende Tour hinter sich hat. Man will schnellstmöglich nach Hause.
Der Zug fährt aber nur alle halbe Stunde und wir hatten ihn genau verpasst. Unsere Gruppe hatte sich auf mich, DJ Schimpagner, Keck, Haddy und Herrn D. (Name aus weilbesserisses - Gründen verkürzt) reduziert.
DJ Schimpagner machte sich am Plan schlau und stellte fest "Halbe Stunde noch! Muss ick erstmal kotzen!" und liess ohne eine Sekunde Verzögerung Taten folgen. Ein ekliger Schwall Kotze spritzte auf den Bahnsteig. Im Übrigen waren wir nicht allein. Man muss sich das so vorstellen: "HalbeStundenochmussickerstmalkotzenBUUUUUÖÖÖÖÖHHHH!!!!!!!!"
Ich glaub er hatte Möhrchen gegessen.
Danach ritt Keck noch auf DJ Schimpagner, wobei er laute "Yeeeehaaaawwww!" - Rufe ausstiess. Die übrigen Wartenden am Bahnsteig waren irritiert....
Die Wartezeit vertrieben wir uns mit Kaffee trinken und Rauchen am Imbiss in Gesellschaft zweier Klofrauen, die so verlebt waren, dass sie aussahen wie Mumien.
Herrn D. machte es Spass in allen Details von seinem letzten Schiss auf einer öffentlichen Toilette zu berichten.
Je ausführlicher er wurde (ich erinnere mich vage daran, dass es ein Spritzschiss war), desto weiter rückten die Gesichtsruinen von uns weg. Sie fühlten sich wohl in ihrer Berufsehre verletzt.
Vielleicht starben sie auch bald und wollten sich dafür ein ruhiges Plätzchen suchen....
Jedenfalls fand ich Herrn D.´s Verhalten reichlich pubertär. Ich dachte, ich könne ihm einen Dämpfer verpassen, wenn ich ihn drauf aufmerksam mache, dass er, wenn er schon bei DIESEN Brocken solch ablehnende Reaktionen hervorruft, beim weiblichen Geschlecht wohl gar keine Chance mehr haben würde.
Das kostete ihn allerdings nur ein debiles Lächeln.
Ich musste irgendwie dran denken, dass Landjungs anders sind.
Bilder vom nackten Herrn D. und panisch quiekenden Ferkeln schossen mir ungewollt in den Kopf.
Nachdem ich das Einschussloch in meinem Kopf mit einer Masse aus Kippenstummeln, Michas Kotze und buntem Quitschquatsch verstopft hatte, kam auch unser Zug.
Wir spielten noch Verstecken mit der Schaffnöse und Herr D. liess es sich nicht nehmen Keck (der ihn immer weiter anstachelte "Nein! Den kriegste nich kaputt! Es ist UNMÖGLICH!!!!) zu beweisen, dass man den Tisch DOCH abbrechen konnte. Wir wechselten sicherheitshalber das Abteil. Mit solch roher Gewalt wollten wir NICHTS zu tun haben. Auch wenn wir´s selber waren....
Zu Hause angekommen fiel mir auf, dass ich jetzt ca. 17 Stunden unterwegs war. Ach deshalb bin ich so müde!!!!
Jedenfalls war´s mal wieder ein feiner Ausflug. Allerdings frage ick mich immer öfter, woher wohl meine Liebe zum Asitum rührt. Vielleicht hat Mutti mich früher nicht ausreichend mit Dreck spielen lassen....
|